Täterenkel: Mai 2010
Dem Nazi-Kollaborateur Demjanjuk wird wegen Beihilfe zum 10.000-fachen
Mord medienwirksam der Prozess gemacht. Es ist einer der letzten
Prozesse dieser Art, in dem die Frage nach der Schuld eines Einzelnen
verhandelt wird. Die Nazis und der Holocaust wir, die dritte
Generation, die lange nach 1945 Geborenen, meinen zu wissen, was war.
Wir kennen die Fakten aus der Schule und die Täter aus Spielfilmen:
Hitler - das ist doch Bruno Ganz, und Moritz Bleibtreu, der spielt doch
bald den Goebbels. Sind wir ehrlich, kennen wir die deutschen Täter,
Mitläufer und Zuschauer noch viel besser: Sie sitzen in den
Wohnzimmern, in denen unsere Eltern schon gespielt haben, und erzählen
uns vom Leid, das ihnen im Krieg wiederfahren ist. Doch wenn es um den
Massenmord an den Juden geht, schweigen sie und haben von nichts
gewusst. Hier setzt der TÄTERENKEL an und fragt sich, wie der Holocaust
so still und heimlich funktionieren konnte, ohne dass jemand davon
etwas mitbekommen haben will. TÄTERENKEL zeigt die Ambivalenz unserer
Generation zwischen dem Drang nach Wissen über das Dritte Reich und dem
Unwillen, das Kaffeekränzchen bei Oma und Opa mit Fragen nach dem
Holocaust zu torpedieren. Der TÄTERENKEL erzählt davon, wie wir uns die
Geschichten dieser Generation unhinterfragt aneignen und weitertragen:
»Mein Opa war Widerstandskämpfer. Deiner doch auch, oder?«
Ensemble: Sascha Bartsch, René Condne, Maria Gohlke, Vanessa Hansen,
Romy Linden, Nikolas Müller, Roman Schmitz, Kathrin Schug, Hannah
Speicher und Niels Wehr.
08/12/14/15. Mai 2010 | 20:00 Uhr KulturGut Café
Eintritt: € 11,00 (ermäßigt € 6,00)
Karten: ticket-regional.de
Plakat als PDF-Datei
Besprechung im Trierischen Volksfreund, 11.5.2010